17.04.2018

Frühlingsempfang des Handwerks in Freiberg

Foto: Wolfgang Schmidt/HWK Chemnitz

Handwerkskammer-Präsident Wagner spricht auf dem Frühlingsempfang der Kammer zur politischen Kultur im Freistaat, zu Lehrermangel und Bürokratieabbau

Der Präsident der Handwerkskammer Chemnitz, Frank Wagner, hat beim Frühlingsempfang der Handwerkskammer am Mittwochabend (18.4.) im Konzert- und Ballhaus Tivoli in Freiberg eine neue politische Kultur in Sachsen angemahnt. Wagner sagte: „Zu oft haben die politisch Verantwortlichen nicht genau genug hingehört, haben über die Köpfe von Betroffenen hinweg Entscheidungen getroffen, die an der Lebenswirklichkeit vorbeigehen.“ Berechtigte Kritik dürfe nicht unter die Räder kommen und müsse von „undifferenziertem Geschimpfe und überzogener Angst vor Zuwanderung“ unterschieden werden. „Das Handwerk ist Teil des politischen Gesprächs, dieses ständigen Redeflusses, der anstrengend, aber für eine Demokratie zwingend notwendig ist“, so Wagner.

Weil das Handwerk ein wichtiger Teil der Gesellschaft sei, verstehe die Handwerkskammer es als ihre Aufgabe, „an einer besseren politischen Kultur mitzuwirken, die wieder von Sachlichkeit und Respekt geprägt ist“, sagte der Kammerpräsident.

Wagner forderte die sächsische Staatsregierung auf, den Ausbau flächendeckender schneller Internetverbindungen und die Bewältigung des Lehrermangels entschlossener anzugehen. Die Staatsregierung müsse „aus dem Ankündigungsmodus herauskommen, damit der ländliche Raum nicht weiter abgehängt wird und damit die vielen Unzufriedenen im Land sehen, dass sich die Politik um sie kümmert“, sagte er.

Zur sächsischen Schulpolitik sagte der Kammerpräsident, er bezweifle angesichts des bundesweiten Lehrermangels, dass Verbeamtungen den sächsischen Lehrermangel nachhaltig beseitigten. „Ich gönne jedem Lehrer das Gehaltsplus, aber innovativer und praxisnäher wird der Unterricht nicht vom verbesserten Gehalt.“ Zudem forderte Wagner, an den sächsischen Schulen „die Experimente mit pädagogisch unzureichend ausgebildeten Quereinsteigern und mit der sächsischen Stundentafel“ zu beenden: „Das geht zu Lasten der Ausbildungsfähigkeit einer ganzen Generation.“

Der Kammerpräsident mahnte für das Handwerk eine spürbare Entlastung von bürokratischen Aufgaben an. Die zunehmende Zahl an Regeln und teilweise widersprüchliche Regelungen belasteten die Betriebe immer stärker. „Lasst dem Handwerk Luft zum Atmen!“, sagte Wagner. Als konkrete Beispiele nannte der Kammerpräsident die Datenschutzgrundverordnung und die Gewerbeabfallverordnung. Wagner betonte, dass es nicht darum gehe, Standards abzusenken, sondern Betriebe zu entlasten.

Am Frühlingsempfang nahmen rund 180 Gäste aus Handwerk, Politik und Gesellschaft teil, darunter als Redner der sächsische Staatsminister für Umwelt und Landwirtschaft, Thomas Schmidt, und der Landrat des Landkreises Mittelsachsen, Matthias Damm.

Die Handwerkskammer reichte während des Frühlingsempfangs den Meisterbonus der sächsischen Staatsregierung in Höhe von 1.000 Euro an mittelsächsische Jungmeister aus.