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Mitgliedsbeitrag

Die Arbeit einer Handwerkskammer wird unter anderem aus den Beiträgen der Mitglieder finanziert. Rechtliche Grundlagen dafür sind die Beitragsordnung und der jährliche Beitragsbeschluss.

Hier finden Sie Antworten auf die am häufigsten gestellten Fragen zum Mitgliedsbeitrag.

Warum werden Beiträge veranlagt und welche Rechtsgrundlagen gibt es?

Die Handwerksordnung § 113 sieht vor, dass Handwerkskammern einen Teil ihrer Kosten durch Beiträge decken, die von den Mitgliedern (alle in die Handwerks- und Gewerberolle eingetragenen Betriebe) solidarisch getragen werden. Die Beiträge können nach der Leistungskraft gestaffelt sein. Wir unterscheiden in Grundbeiträge (im Prinzip einheitlich unabhängig von der Leistungskraft) und Zusatzbeiträge - nach der Leistungskraft der Mitglieder gestaffelt. Von allen Kammern der Bundesrepublik wird der Gewerbeertrag, hilfsweise der Gewinn aus Gewerbebetrieb als  Äquivalent für die Leistungskraft verwendet. Die ertrags- bzw. einkommensabhängige Beitragsbemessung wird als das gerechtere Verfahren für die Veranlagung betrachtet. Die Beiträge werden jährlich von der Vollversammlung beschlossen und müssen vom Sächsischen Staatsministerium für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr genehmigt werden.

Rechtsgrundlagen

  • § 113 Handwerksordnung
  • Beitragsbeschluss und Beitragsordnung der Handwerkskammer Chemnitz (Beschluss der Vollversammlung), von dem Sächsischen Staatsministerium für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr genehmigt

Wie setzt sich der Beitrag 2018 zusammen?

einheitlicher Grundbeitrag für alle Betriebe  140 €
zusätzlicher Grundbeitrag für juristische Personen  280 € (insgesamt 420 €)
Zusatzbeitrag
Nach Abzug eines Freibetrages für alle natürlichen Personen und Personengesellschaften in Höhe von 15.000 Euro.
Bemessungsgrundlage ist der Gewerbeertrag (hilfsweise der Gewinn aus Gewerbebetrieb) des Jahres 2015.

Staffelung der Bemessungsgrundlage 
Hebesatz
Gewerbeertrag/Gewinn in Euro 
bis  50.000 
1,4 %
zuzüglich
über 50.000 bis 250.000
1,1 %
zuzüglich
über 250.000 bis  500.000
0,8 %
zuzüglich
über  500.000 
0,5 %


§ 113 Abs. 2 der Handwerksordnung regelt ab 2004 auch Beitragsbefreiungen und Beitragsermäßigungen für Existenzgründer und Beitragsbefreiungen für Personen, die nach § 90 Abs. 3 Mitglieder der Handwerkskammer sind.
Natürliche Personen, die ab 01.01.2004 erstmalig ein Gewerbe angemeldet haben, sind für das Jahr der Anmeldung von der Entrichtung des Grund- und Zusatzbeitrages, für das zweite und dritte  Jahr von der Entrichtung der Hälfte des Grundbeitrages und vom Zusatzbeitrag und für das vierte Jahr von der Entrichtung des Zusatzbeitrages befreit, soweit deren Gewerbeertrag nach dem Gewerbesteuergesetz oder, soweit für das Bemessungsjahr ein Gewerbesteuermessbetrag nicht festgesetzt wird, deren nach dem Einkommenssteuergesetz ermittelter Gewinn aus Gewerbebetrieb 25.000 Euro nicht übersteigt. Personen, die nach § 90 Abs. 3 Mitglied der Handwerkskammer sind, werden beitragsbefreit, wenn deren Gewerbeertrag / Gewinn aus Gewerbebetrieb 5.200 Euro nicht übersteigt.

Wie erhält die Handwerkskammer meine Steuerdaten, wie wird das Steuergeheimnis gewahrt?

Erträge und Gewinne aus Gewerbebetrieb werden im automatisierten Verfahren von den Finanzverwaltungen der Länder über eine Kammerleitstelle an die Industrie- und Handels- und Handwerkskammern übermittelt. Rechtsgrundlagen sind die §§ 31 Abgabenordnung, 113 Handwerksordnung.
Die übermittelten Daten dürfen ausschließlich zum Zweck der Beitragsveranlagung gespeichert werden. Strikter Datenschutz bei der Übertragung und bei der Verarbeitung der Daten wird gewährleistet. Die Einhaltung der Bestimmungen des Datenschutzgesetzes wird überwacht. Die Daten des Beitragsbescheides sind beim Eingang in den Handwerksbetrieb gesichert
a) durch den Aufdruck: „Vertraulich - nur für die Geschäftsleitung" auf dem Kuvert und
b) wird die Bemessungsgrundlage wird nur auf dem Blatt 2 des Bescheides aufgeführt. Dadurch ist keine zwingende Weitergabe an die betriebliche Buchhaltung notwendig.

Wann wird der Gewerbeertrag zugrunde gelegt und wann der Gewinn?

Die Finanzämter übermitteln immer den Gewerbeertrag, wenn ein einheitlicher Gewerbesteuermessbetrag berechnet wurde. Der Gewerbeertrag kann auch „Null" sein. Wenn das Finanzamt keinen Gewerbesteuermessbetrag errechnet hat, erfolgt automatisch die Übermittlung des Gewinns aus Gewerbebetrieb aus der Einkommensteuerdatei.

Warum wird bei juristischen Personen ein Zuschlag zum Grundbeitrag erhoben und warum erhalten diese keinen Freibetrag für den Zusatzbeitrag?

Juristische Personen haben die Möglichkeit, die Gehälter der Geschäftsführer und anderer mitarbeitender Gesellschafter gewinnmindernd als Betriebsausgaben abzuziehen. Ein Einzelunternehmer kann im Gegensatz dazu seinen Gewinn nicht um ein Entgelt für seine Arbeitsleistung kürzen. Der Freibetrag und der Zuschlag zum Grundbeitrag ist ein pauschaler Ausgleich für diesen Nachteil. Die unterschiedliche Behandlung zwischen natürlichen und juristischer Personen bei der Beitragsgestaltung der Handwerkskammern ist durch mehrere Urteile bestätigt worden.

Warum wird der Gewebeertrag / Gewinn für die Bemessung des Zusatzbeitrages aus einem drei Jahre zurückliegenden Geschäftsjahr verwendet?

Als Basis für die Bemessung wird grundsätzlich das Jahr herangezogen, für das die Steuerfestsetzung durch die Finanzämter für alle Mitgliedsbetriebe abgeschlossen ist. Für 2018 ist das deutschlandweit das Kalenderjahr 2015. Dies wird jährlich durch die Vollversammlung festgelegt.

Meine betriebliche Situation hat sich enorm verschlechtert. Gibt es eine Möglichkeit zur Stundung, Reduzierung oder Erlass?

Beim Nachweis einer stark verschlechterten Geschäftslage besteht die Möglichkeit einer Herabsetzung des Beitrages durch den Beitragsausschuss des Vorstandes. Dazu sind ein schriftlicher Antrag und Belege für die Beschäftigten- und Gewinnentwicklung erforderlich. Grundlage für die Beitragsreduzierung ist der § 9 der Beitragsordnung der Handwerkskammer. Die Anträge auf Stundung oder Reduzierung müssen innerhalb der Widerspruchsfrist von einem Monat gestellt werden.

Warum muss ich auch bei niedrigem oder keinem Gewinn Beitrag zahlen? Welche Gegenleistung habe ich dafür?

Nach § 113 Handwerksordnung ist die Handwerkskammer verpflichtet einen Teil ihrer Kosten von den in die Handwerksrolle, oder das Verzeichnis der handwerksähnlichen Gewerke, eingetragenen Betriebe durch einen Kammerbeitrag zu decken. Das gilt vor allem zur Deckung der Kosten für gesetzlich unentgeltliche Leistungen der Kammer wie Betriebsberatung, Rechtsberatung, Ausbildungsberatung, Außenwirtschafts- und Messeberatung sowie der laufenden Pflege (nicht die Ersteintragung) der Handwerksrolle. Außerdem gehören die Bearbeitung von Anträgen zur Ausbildungsplatz förderung und die Interessenvertretung im Allgemeinen zu den Dienstleistungen der Kammer. Darunter fallen die Mitgliedschaft der Kammer in den verschiedensten Organisationen, die Öffentlichkeitsarbeit und die Deutsche Handwerkszeitung. Auch Prüfungen und Ausbildungsleistungen der Kammer werden teilweise durch Kammerbeiträge finanziert und können deshalb gebührenmäßig günstiger angeboten werden. Auch bei niedrigem oder keinem Gewinn ist der Grundbeitrag von allen Betrieben zu erheben. Der Zusatzbeitrag wird nur erhoben, wenn ein Ertrag (bei natürlichen Personen ein Ertrag über dem Freibetrag) vorhanden ist. Allerdings gilt hier die unter Frage 2 beschriebene Ausnahmeregelung gem. § 113 Abs. 2 HwO.

Wir haben nur eine Betriebsstätte in Kammerbezirk Chemnitz, der Hauptsitz liegt außerhalb. Müssen wir trotzdem Beitrag zahlen?

Jede in die Handwerksrolle eingetragene Niederlassung, Betriebsstätte oder Filiale gehört zur Handwerkskammer und ist als solche grundbeitragspflichtig. Bei mehreren Betriebsstätten, Niederlassungen, Filialen in einer Gemeinde oder Stadt wird nur einmal Grundbeitrag erhoben. Für die Berechnung des Zusatzbeitrages wird nur der Anteil des Gewerbeertrages zugrunde gelegt, der auf unseren Kammerbezirk fällt. Der Gewerbeertrag wird bereits von der Finanzverwaltung nach Gemeinden zergliedert.

Mein Unternehmen ist ein Mischbetrieb, muss ich auch an die Industrie- und Handelskammer Beitrag zahlen?

Ihr Betrieb ist nur dann bei der Industrie- und Handelskammer beitragspflichtig, wenn er einen in kaufmännischer Weise eingerichteten Geschäftsbetrieb erfordert (in der Regel Handelsregistereintragung) und mehr als 130.000 Euro nichthandwerkliche Umsätze im Jahr tätigt. Beide Kriterien müssen erfüllt sein. Sind Sie bei der Industrie- und Handelskammer beitragspflichtig, dann wird die Bemessungsgrundlage für den Zusatzbeitrag zwischen Industrie- und Handelskammer und Handwerkskammer aufgeteilt. Die Aufteilung erfolgte auf der Grundlage der Beschäftigtenanteile und der Umsatzanteile (Handwerk / Handel). Auf dem Beitragsbescheid ist dann ein Handwerksanteil ausgewiesen. Sollte das für Ihren Betrieb noch nicht erfolgt sein, bitten wir um Zusendung der Beschäftigten- und Umsatzanteile. Der Beitragsbescheid wird korrigiert. Bei Eintragung in die Handwerksrolle und Beitragspflicht zur Industrie- und Handelskammer muss allerdings in beiden Kammern Grundbeitrag veranlagt werden.