Mann mit Fahrrad vor Schrank in Ausstellung
© Robert Werner

Im Bürgergarten Stollberg zeigten die Meisterschüler, wie vielseitig, kreativ und einzigartig ihre Arbeit mit Holz und Glas ist

Arno Fröbel hatte am 22. August alle Hände voll zu tun. Viele Besucher standen im Bürgergarten Stollberg Schlange vor seinem Meisterstück und wollten genau wissen, wie der junge Tischler sein Exponat „Veloform“ gebaut hat. „Veloform ist ein Schrank, um sein Fahrrad schön zu verstauen und zur Schau zu stellen. Man hat einen Griff mit dem sich beide Türen öffnen lassen und das Fahrrad herausschwenken kann. So kann man direkt herantreten und das Fahrrad bequem und komfortabel herausnehmen“, erklärt der Handwerker der bei Möbelwerkstätten Härtig in Mittelbach arbeitet. 
Blickt er auf die vergangene Zeit in der Meisterschule zurück, hebt er insbesondere den kollegialen Zusammenhalt und den Teamgeist hervor. Er habe viele Freunde gefunden und sich weiterentwickelt. „Vom Stundenvolumen her war das schon eine immense Arbeit. Ich denke, andere Meister können das nachvollziehen, wie es ist, etwas zu konstruieren, zu entwerfen und dann zu bauen. Aber jetzt können wir alle wirklich sehr stolz auf uns sein, dass wir das geschafft haben“, so der 22-Jährige weiter. In seinem Jahrgang schloss er als Bester ab, sein Meisterstück wurde zudem vom Fachverband Sachsen für die „Gute Form“ – den sächsischen Meisterpreis im Tischlerhandwerk – in Dresden nominiert.
Insgesamt 24 junge Tischler zeigten bei der feierlichen Ausstellung in Stollberg, was sie im Rahmen der Meisterausbildung gelernt und entwickelt haben. Zu ihnen gesellten sich sieben Glaser, die ihre Exponate ebenfalls Freunden, Familie und Besuchern präsentierten. Neben großen ansehnlichen Fenstern wurden auch Bleiverglasungen mit verschiedenen Motiven, wie zum Beispiel einem schicken Mercedes C126 oder der Schneeeule von Harry Potter, erstellt. Ein ganzes Bleiglasfenster fertigte in 64 Arbeitsstunden Johannes Kunze. „Es ist wie ein großes Puzzle, wobei die gefertigten Glaszuschnitte mit Bleiprofilen eingefasst werden. Erst dann entfalten sich die Farben richtig“, erklärte der 23-Jährige, der aus Sülzetal in Sachsen-Anhalt kommt, in einem Interview mit der Freien Presse. Nun darf er sich fortan Glasermeister nennen – die Nachfolge im elterlichen Betrieb scheint gesichert, wie Johannes Kunze sagt: „Ich möchte mich in dem Beruf entfalten und eines Tages den Betrieb übernehmen.“
Zufrieden sowohl mit den Ergebnissen als auch mit der Ausstellung selbst war Marcel Giersberg, Dozent an der Handwerkskammer Chemnitz und Vorsitzender des Meisterprüfungsausschusses. Er rückte vor allem die Komplexität und Schwierigkeit einiger Meisterstücke in den Fokus: „Wir haben dieses Jahr die Messlatte nochmal ein bisschen nach oben gelegt. Wir haben Bleiverglasungen, wir haben eine Sauna, eine formverleimte viertelgewendete Treppe, einen Spieltisch oder einen Humidor. Es sind wieder viel Zeit, Herzblut und Schweiß aufgebracht worden, um hier tolle Exponate auszustellen. Jeder der hier steht, kann wirklich stolz auf sein Handwerk sein.“
Alle Fotos von der Ausstellung der Meisterstücke in Stollberg finden Sie hier
 

Tipp: Die nächsten Vorbereitungskurse Tischler- und Glasermeister, Teile I/II, Teilzeit starten jeweils am 6. November 2026. Es sind noch Plätze frei. 

Ansprechpartner: Mike Bernhardt, Tel. 0371/5364-170,

04.09.2026