
Fünf Meisterbriefe hängen bereits im Treppenhaus der Firma Holzbildhauerei Matthias Dietzsch in Geyer - nun kam der sechste hinzu
Kurt Dietzsch hat seinen Meisterlehrgang 2025 als Jahrgangsbester bestanden. Er ist nun Meister des Drechsler- und Holzspielzeugmacherhandwerks und des Elfenbeinschnitzens. Seine Schwester Theresa Dietzsch hat denselben Meisterbrief seit Jahren. Beide bilden die fünfte Generation mit einem Meisterbrief im Handwerk. Dabei waren die ersten drei Vorfahren noch Posamentierer. Diese Tradition geht bis auf das Jahr 1872 zurück. Eine Posamen-tiermaschine aus dieser Epoche befindet sich noch heute im Erdgeschoss des Hauses in Geyer. Kurt Dietzschs Vater Matthias führt aktuell die Geschäfte. 1978 machte er sich mit seiner Holzbildhauerei selbständig. Sein Sohn wuchs wie seine Schwester in das uralte Handwerk hinein. Mit gerade mal sechs Jahren besuchte Kurt die AG Schnitzen. Schon damals wusste er, dass er gut mit dem Werkstoff Holz umgehen kann. Zwischen 2012 und 2015 absolvierte er seine Lehre im väterlichen Betrieb. Zur Berufsschule fuhr er nach Seiffen. “Die Ausbildung ist sehr gut und umfassend gewesen”, erinnert sich der 30-jährige. 2017 begann er dann mit seinem Meisterkurs. Die Teile Eins bis Drei schloss er bis 2020 ab. Danach musste er aus gesundheitlichen Gründen eine Pause einlegen. Es folgte zudem ein Jahr in Australien. Das Work-and-Travel-Visum im Gepäck wollte er gemeinsam mit einem Freund einfach mal raus. In der Fremde hat er viel erlebt und viele Erfahrungen gesammelt. Er arbeitete als Hausmeister in einer Buswerkstatt, als Barkeeper und als Muschelzüchter: “Das war eine sehr schöne Zeit!“
Danach absolvierte er den vierten Teil des Meisterlehrgangs. Gemacht hat er das aus zwei Gründen. Zum einen wollte er beenden, was er angefangen hat. Die Arbeit füllt ihn aus und er sieht einen Sinn darin. Außerdem möchte er gerne das Erbe seiner Familie fortsetzen. Obwohl sein Vater mittlerweile 75 Jahre alt ist, führt er das Unternehmen immer noch. Genau geregelt ist die Übergabe an seine Kinder derzeit noch nicht. Matthias Dietzsch braucht seine Arbeit. Jeden Tag steht er in der Werkstatt.
Bekannt ist das Unternehmen durch seine Pyramiden. Deren Stil hat in Geyer Tradition. Zu erkennen sind die Arbeiten an den gedrehten Türmen, Rosetten, Treppen, Säulen und Doppelsäulen. “Sie sind sehr aufwändig und mit ganz viel Liebe zum Detail aufgebaut”, erklärt Kurt Dietzsch. Neben dem Neubau von Pyramiden bietet die Familie auch deren Restauration und Reparatur an. Vater, Tochter und bewährte, langjährige Mitarbeiter schnitzen Engel, Bergleute, Krippen, Figuren aller Art, Bierwagen, Pferdegespanne und vieles andere mehr. Außerdem nehmen sie typische Bildhauerarbeiten vor.
Dass sich das Unternehmen abseits der großen Kunsthandwerkerzentren Seiffen, Olbernhau und Grünhainichen befindet, scheint kein Problem zu sein. Schließlich gibt es auch hier neugierige Touristen, die in das Geschäft hereinschneien. “Außerdem hat sich herumgesprochen, was wir unserer Kundschaft bieten können”, weiß Kurt Dietzsch aus Erfahrung. Er blickt zuversichtlich in die Zukunft und sieht in hochwertiger Handwerkskunst und in den traditionel-len Weihnachtspyramiden eine gesicherte Aufgabe. Ihr christlicher Glaube gibt der gesamten Familie den nötigen Rückhalt. Sie hoffen auf den “Segen Gottes” für das “ehrbare Handwerk”, wie der 30-Jährige betont.
Tipp: Der nächste Vorbereitungskurs Drechsler- und Holzspielzeugmachermeister Teile I/II startet im August 2027. Es sind noch Plätze frei!
Ansprechpartner: Mike Bernhardt, Tel. 0371/5364-170,
09.09.2026