Gestalter schließen Werkstudium ab

Ausstellung der Arbeiten im Wasserschloss zu sehen

Wie man vom Machen zum Gestalten kommt 

Gestalter als Übersetzer zwischen Handwerk und Zeitgeist, Form, Material und Funktion 


Seit 1997 haben im Bezirk der Handwerkskammer Chemnitz mehr als 100 Gestalterinnen und Gestalter im Handwerk das Werkstudium zum „Gestalter im Handwerk“ erfolgreich abgeschlossen. Mit dieser besonderen Fortbildung war die Kammer in Chemnitz die erste in den neuen Bundesländern. Heute bieten acht Akademien für Gestaltung, Bildungszentren der Handwerkskammern und weitere Träger diese umfassende Weiterbildung mit 1.200 und mehr Stunden an. 

Erfahrene Dozentinnen und Dozenten aus Handwerk und Design, aus Architektur und Innenarchitektur, aus Kunst und Wissenschaft inspirieren und qualifizieren seit vielen Jahren Handwerkerinnen und Handwerker. Sieben weitere haben nun das Werkstudium ebenfalls abgeschlossen. 

Gestalter eröffnet neue Felder

Die aktuellen Absolventinnen und Absolventen kommen aus dem Maler- und Lackierer-, Tischler-, Uhrmacher-, Maurer-, Metallbauer-, Keramiker und Buchbinderhandwerk.

Karina Bastron ist Malerin und Lackierin sowie Vergoldermeisterin. Sie erklärt: „Durch experimentelles Arbeiten und freies Denken konnte ich meinen Blick für Form, Farbe und Komposition weiter schärfen. Diese Erfahrungen kann ich direkt in meiner Selbständigkeit umsetzen und so meine Arbeit im Vergolderhandwerk auf eine neue, gestalterische Ebene bringen.“

Simone Fischer ist Einrichtungsberaterin, also keine klassische Handwerkerin. Sie sieht sich aber als Vermittlerin zwischen dem Handwerk und der Kunst, Atmosphäre spürbar zu machen: „Meine Leidenschaft gilt dem Handwerk – dem genauen Hinsehen, dem Spüren von Materialien, dem feinen Zusammenspiel von Farbe, Licht und Textur. In meiner Arbeit verbinde ich Ästhetik mit Funktion, Tradition mit Zeitgeist. So entstehen Interieurs, die individuell, sinnlich und authentisch sind – Räume, die bleiben.“

Uhrmachermeisterin Paula Schulz hat zur Eröffnung der Abschlussausstellung „UNIKATE 9“ ihre Essenz aus zweieinhalb Jahren berufsbegleitender Weiterbildung so in Worte gefasst: „Jeder hat für sich eine Form für das Thema Facetten im Handwerk gefunden. Ein sehr freies Prüfungsthema, was jedoch Details und Einblicke zulässt, die man als Außenstehender vielleicht noch gar nicht wahrgenommen hat. Es ist die Konzeption, die das einfache Machen vom Gestalten unterscheidet und was uns gerade zum Ende des Kurses in einer Vielzahl von Einzelprojekten vermittelt wurde.“ Die Aufgabenstellung war für alle gleich, so Schulz: „Es geht darum, aus der reinen Funktion und Technik des eigenen Gewerkes herauszuwachsen und über die kreative Metaebene eine Symbiose zwischen Handwerk und professioneller Gestaltungskompetenz zu schaffen.“ Sie ist sich sicher: „Der Gestalter eröffnet neue Felder, weit über die Grenzen der eigenen Fähigkeiten und des eigenen Handwerks hinaus.“

Eine magische Zeit

Ähnlich sieht das auch Tina Zinsmeyer. Sie ist gelernte Buchbinderin und Museumsmitarbeiterin in Chemnitz: „Weiterbildungen im Buchbinderhandwerk sind oft sehr speziell und nicht in Sachsen zu finden. Das Studium zum Gestalter mit seinen breit aufgefächerten Themen, hier in meiner Heimatstadt, ist für mich ein schon lang gehegter Traum, den ich mir jetzt erfülle. Es ist eine tolle Ergänzung zu meiner Arbeit im Museum und hat mich nach über zehn Jahren meinem geliebten Handwerk wieder näher gebracht.“

Tischlermeister Maximilian Haase bringt es rückblickend kurz und einfach auf den Punkt: „Diese Zeit war für mich nicht nur magisch, sondern auch sehr lehrreich.“

Metallbauer Marcel Freyer und Tischler David Roether betonen einen weiteren Aspekt der intensiven Weiterbildung: „Der Austausch mit allen Beteiligten des Kurses war sehr wichtig. So kann man voneinander lernen und sich gegenseitig inspirieren.“

Und was nehmen sich alle Absolventinnen und Absolventen abschließend mit? Paula Schulz fasst es so zusammen: „Wenn wir ab Montag wieder in unsere eigenen Werkstätten zurückkehren, werden wir die Dinge anders anpacken als vor Beginn des Kurses. Mutiger. Durchdachter. Innovativer.“

Einladung in Ausstellung

Wer sich ebenfalls von guter Gestaltung im Handwerk inspirieren lassen möchte, der kann sich noch bis 25. Oktober im Wasserschloß Klaffenbach die Ausstellung „UNIKATE 9“ ansehen, die neben den Abschluss- und Kursarbeiten der aktuellen Teilnehmenden auch Arbeiten vorangegangener Absolventen zeigt. Ergänzt wird die Ausstellung mit einem Sonderteil über den Chemnitzer Künstler und Gestalter Wolfgang Seidel, der viele Jahre Dozent für den Kurs zum “Gestalter im Handwerk“ war.

www.gestalter-in-sachsen.de