Die Wirtschaft in Südwestsachsen zeigt im Herbst 2026 erste Anzeichen einer Stabilisierung. Obwohl die Unternehmen ihre aktuelle Geschäftslage etwas besser als noch im Frühjahr bewerten, kann von einer nachhaltigen Erholung jedoch weiterhin keine Rede sein. Schwache Nachfrage, hohe Arbeits- und Energiekosten sowie zunehmende bürokratische Belastungen bremsen die wirtschaftliche Entwicklung. Das geht aus der gemeinsamen Konjunkturumfrage der Industrie- und Handelskammer Chemnitz (IHK) und der Handwerkskammer Chemnitz (HWK) hervor, an der sich 1200 Unternehmen und Handwerksbetriebe beteiligt haben. Der gemeinsame Geschäftsklimaindex liegt derzeit bei 94 Punkten und damit weiterhin deutlich unter seinem langjährigen Durchschnitt.
Zwar haben sich einzelne Indikatoren gegenüber dem Frühjahr verbessert, die Erwartungen der Unternehmen bleiben jedoch überwiegend verhalten. Nur zehn Prozent rechnen in den kommenden zwölf Monaten mit einer besseren Geschäftslage, während 28 Prozent eine weitere Verschlechterung erwarten. Als größte Belastungen nennen die Betriebe die schwache Inlandsnachfrage sowie hohe Arbeits-, Energie- und Kraftstoffkosten.
„Die Unternehmen und Handwerksbetriebe in unserer Region beweisen trotz schwieriger Rahmenbedingungen weiterhin große Widerstandskraft. Die Konjunktur stabilisiert sich leicht, aber von einem Aufschwung können wir nicht sprechen“, sagt Max Jankowsky, Präsident der Industrie- und Handelskammer Chemnitz. „Gerade jetzt braucht Sachsen einen klaren wirtshaftspolitischen Kompass.
Der Doppelhaushalt 2027/2028 muss konsequent auf Investitionen, Wettbewerbsfähigkeit und Wachstum ausgerichtet werden. Zusätzliche Mittel aus Sondervermögen dürfen reguläre Investitionen nicht ersetzen. Wir brauchen leistungsfähige Verkehrswege, moderne Bildungs- und Forschungseinrichtungen sowie eine starke Wirtschaftsförderung, die private Investitionen mobilisiert.“
Besonders angespannt bleibt die Lage in der Industrie, im Handel sowie im Verkehrs- und Logistikgewerbe. Rückläufige Auftragseingänge, schwache Umsätze und eine geringe Investitionsbereitschaft prägen dort weiterhin das Bild. Die Dienstleistungswirtschaft erweist sich dagegen erneut als vergleichsweise stabilisierender Faktor für die regionale Konjunktur.
„Viele Betriebe werden derzeit nicht nur durch die schwache Konjunktur belastet, sondern zunehmend auch durch die überbordende Bürokratie“, erklärt Frank Wagner, Präsident der Handwerkskammer Chemnitz. „Zwar wurde hier auf Landesebene einiges in die Wege geleitet, unter anderem ein Staatsmodernisierungsgesetz. Es bleibt aber abzuwarten, ob die dort enthaltenen Entlastungen auch wirklich zu einem Bürokratieabbau führen – ganz abgesehen davon, dass auf Bundesebene hier auch noch vieles im Argen liegt. Bürokratieabbau ist kein Nebenthema, sondern ein zentraler Wettbewerbsfaktor für den Standort Sachsen.“
Die geringe Zuversicht spiegelt sich auch in den Investitions- und Personalplanungen wider. Viele Unternehmen konzentrieren sich derzeit auf Ersatzbeschaffungen und verschieben Erweiterungsinvestitionen. Gleichzeitig sind die Betriebe sehr zurückhaltend beim Personal und wollen den Mitarbeiterstamm eher halten, statt zu erweitern. Zu bedenken muss außerdem die Tatsache geben, dass mehr Betriebe einen Personalabbau als zusätzliche Einstellungen vorsehen. Als größte Geschäftsrisiken nennen die Unternehmen erneut hohe Arbeitskosten, steigende Energie- und Kraftstoffpreise sowie ungünstige wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen. Der Fachkräftemangel tritt gegenüber früheren Umfragen etwas in den Hintergrund.
Vor diesem Hintergrund sehen die Kammern einen klaren Handlungsauftrag für die Landespolitik. Neben einem konsequenten Bürokratieabbau seien vor allem Investitionen in Infrastruktur, berufliche Bildung, Innovation und Digitalisierung erforderlich. Ebenso wichtig seien eine auskömmliche Finanzierung der Fachkräfteallianzen sowie schnellere Planungs- und Genehmigungsverfahren. Diese Schwerpunkte haben die sächsischen Industrie- und Handelskammern sowie die Handwerksorganisationen auch in ihren aktuellen Stellungnahmen zum Doppelhaushalt 2027/2028 und zum Staatsmodernisierungsgesetz hervorgehoben.
„Die regionale Wirtschaft verfügt weiterhin über eine starke unternehmerische Substanz. Damit daraus wieder Wachstum, Investitionen und Beschäftigung entstehen können, müssen die politischen Rahmenbedingungen endlich spürbar verbessert werden“, betonen Max Jankowsky und Frank Wagner. „Die Beratungen zum Doppelhaushalt und die Umsetzung des Staatsmodernisierungsgesetzes bieten jetzt die Chance, wichtige Weichen für die Zukunft des Wirtschaftsstandortes Sachsen zu stellen.“
Den Konjunkturbericht finden Sie zum Download als PDF hier.

