„Auf den ersten Blick sind die durch den sächsischen Kultusminister herausgegebenen Zahlen zum Unterrichtsausfall positiv zu bewerten, wenngleich der Unterrichtsausfall an vielen Stellen nur marginal sinkt. Beim genaueren Hinschauen stellt man aber fest: Das Problem ist keineswegs behoben. Auf der einen Seite steigt der Unterrichtsausfall an den Berufsschulen, die im Handwerk neben der Ausbildung im Betrieb und der überbetrieblichen Lehrunterweisung eine wichtige Säule der dualen Berufsausbildung sind. Wenn hier immer mehr Unterricht ausfällt, so spüren das sowohl die Azubis als auch die Betriebe deutlich.
Auf der anderen Seite sind die regionalen Ungleichgewichte immer noch vorhanden. Wenn Kultusminister Clemens einen Rückgang des Unterrichtsausfalls an Oberschulen konstatiert, ist der tatsächliche Ausfall allein an diesem Schultyp nicht überall gleich. Wo sachsenweit nur noch 5,6 Prozent Ausfall zu verzeichnen ist, liegen die Werte in den Landkreisen des Kammerbezirks überall deutlich höher: In Chemnitz bei 8 Prozent, im Erzgebirge bei 8,1 Prozent, in Mittelsachsen bei 6,4 Prozent, im Vogtland bei 6,9 Prozent und in Zwickau bei 10,7 Prozent. Allein im Kammerbezirk Chemnitz sind an Oberschulen laut Statistik über 157.000 Unterrichtstunden im vergangenen Schuljahr ausgefallen. Wo man da von einem ‚richtigen Weg‘ sprechen kann, erschließt sich mir nicht. Jede Stunde Ausfall ist eine Stunde zu viel.
Das Grundproblem der fehlenden Lehrer – egal an welchen Schultypen – beziehungsweise die Konzentration der neuen Lehrer auf die Ballungszentren bleibt bestehen und führt zur Benachteiligung des ländlichen Raums, die sich aufgrund des demografischen Wandels, gerade auch an den Berufsschulen noch weiter verschärfen wird. Es braucht andere Strategien als die unbeliebten Lehrerabordnungen, die das Problem des Unterrichtsausfalls ohnehin nur in die Breite tragen.“

