Bild vom Verwaltungsgebäude der Handwerkskammer Chemnitz
Schmidtfoto-Chemnitz

Stimmung in den Unternehmen hellt sich auf - Herbst-Konjunkturdaten der IHK und HWK Chemnitz

Im Kammerbezirk Chemnitz ist die Wirtschaft auf Erholungskurs. Nach der Rücknahme vieler Corona-Beschränkungen in den Sommermonaten hellt sich die Stimmung in den regionalen Unternehmen erfreulicherweise wieder auf. Der Geschäftsklimaindex, der gleichrangig die Einschätzungen zur aktuellen Lage sowie zu den Geschäftserwartungen abbildet, geht deutlich nach oben und liegt jetzt bei 121 Punkte, nach 104 im vergangenen Herbst und 116 Punkten im Herbst 2019 vor Beginn der Pandemie. Das Vorkrisenniveau ist damit beim Geschäftsklimaindex wieder erreicht.

Dennoch sind die Folgen der Pandemie in vielen Branchen noch spürbar und bremsen vor allem dort den Optimismus, wo es die meisten Einschränkungen durch Geschäftsschließungen oder verschärften Vorgaben zu Hygiene und Abstand gab. Zudem stellen Materialengpässe und kräftige Preissteigerungen eine große Gefahr für die weitere konjunkturelle Entwicklung dar.

All das geht aus der gemeinsamen Herbstumfrage von Handwerkskammer Chemnitz (HWK) und Industrie- und Handelskammer Chemnitz (IHK) hervor. Diese wurde am Montag (18.10.) in Chemnitz vorgestellt. An der Umfrage beteiligten sich 1.296 Unternehmen.

Trotz Material- und Lieferengpässen bleibt die Industrie vorerst weiter auf Erholungskurs. Dank der starken Auslandsnachfrage und dem Wiederanfahren der regionalen Automobilindustrie übertrafen die Industrieumsätze bereits wieder das Vorkrisenniveau. Im Bau ist die Auslastung deutlich gestiegen und übertrifft das Vorkrisenniveau. Die Rücknahme vieler Corona-Beschränkungen in den Sommermonaten sowie die Belebung im Produzierenden Gewerbe wirkten sich sehr positiv auf die Geschäfte im Dienstleistungssektor aus. Auch die Gastronomie und der Tourismus profitiert von den Aufhebungen der Einschränkungen.

Trotz Belebung bleibt der Einzelhandel bei rückläufigen Erträgen hinter dem Vorjahr zurück. Die Geschäftslage des Großhandels erreicht zwar das Niveau des Vorjahres, bleibt jedoch angesichts steigender Erzeugerpreise und Lieferengpässe hinter den Werten aus dem Frühjahr zurück. Im Verkehrsgewerbe verbessert sich ebenfalls die Stimmung. Die Umsatz- und Ertragsentwicklung zeigen trotz spürbarer Verbesserungen jedoch weiter nach unten. Die Aufhellung im Handwerk resultiert aus besseren Lageeinschätzungen nahezu aller Gewerbegruppen, allen voran die Bereiche Bau und Kraftfahrzeug.

Trotz der Unsicherheit über den weiteren Verlauf der Pandemie blickt die Mehrheit der Unternehmen optimistischer in die kommenden Monate. Dank steigender Auftragseingänge aus dem In- und Ausland gibt die Industrie die positivsten Prognosen ab. Auch die Dienstleister und Gastronomen blicken optimistisch in die kommenden Monate und hoffen auf stabile Umsätze durch überschaubare pandemiebedingte Einschränkungen. Zurückhaltender sind Bau, Handel und Verkehr. Dort behindern Engpässe, veränderte Konsumgewohnheiten und steigende Kosten die Geschäfte. Im Handwerk sind die Erwartungen durchwachsen. Während Nahrungsmittelbetriebe, Kunsthandwerker und Gesundheitsgewerke eher positive Erwartungen äußern sind Baubetriebe und die Handwerke für den gewerblichen Bedarf deutlich zurück haltender.

Die positiveren Prognosen schlagen sich auch in einer steigenden Investitionsbereitschaft nieder. Der stärkste positive Impuls kommt aus der Industrie und dem Dienstleistungssektor. Trotz zunehmender Investitionsabsichten bleiben Handwerk, Handel, Bau und Verkehr / Logistik zurückhaltender.

Die wirtschaftliche Belebung schlägt sich positiv am Arbeitsmarkt nieder. Nachdem die Personalplanungen mit Beginn der Corona-Pandemie eher auf rückläufige Belegschaften ausgerichtet waren, zieht die Personalnachfrage nunmehr spürbar an. Die Zahl der offenen Stellen steigt deutlich. Den größten Personalbedarf signalisieren Industrie, Dienstleister und Gastronomie/Tourismus. ). Im Handwerk wird mit gleichbleibenden Belegschaften gerechnet. Im Bau- und Verkehrsgewerbe bleibt die Personalnachfrage dagegen gehemmt. Beide Bereiche rechnen mit abnehmenden Belegschaften in den kommenden Monaten.

Handwerkskammer-Präsident Frank Wagner zur aktuellen Situation und den Ergebnissen der Konjunkturumfrage: „Wie schon in den vorangegangenen Umfragen ist die Corona-Pandemie das bestimmende Thema für unsere Betriebe. Der Trend, dass einzelne Gewerke und Branchen von der Pandemie stärker betroffen sind als andere, hält weiter an. Erfreulich ist aber, dass die Unternehmen die pandemiebedingte konjunkturelle Talsohle tatsächlich durchschritten haben. Getrübt wird der Blick in die Zukunft allerdings von neuen Problemen. Gerade die Einkaufspreise gehen immer stärker nach oben und belasten die Betriebe zusehends, vor allem auch jene, die bisher gut durch die Krise gekommen sind. Das zeichnete sich schon im Frühjahr ab und verstärkt sich weiter – letztlich über fast alle Bereiche hinweg.“

Dr. h. c. Dieter Pfortner, Präsident der IHK Chemnitz fasst die Ergebnisse wie folgt zusammen: „Der aktuelle Aufschwung ist äußerst fragil. Bei zunehmenden Corona-Einschränkungen im In- aber auch im Ausland droht ein Rückfall in die Rezession. Ein erneuter Lockdown wäre Gift für die Wirtschaft. Zudem behindern Material- und Lieferengpässe, steigende Energie- und Kraftstoffpreise sowie an vielen Stellen fehlende Arbeitskräfte in allen Branchen eine kräftigere Erholung. Die neue Bundesregierung ist hierbei gefordert. Insbesondere die Energie- und Rohstoffversorgung muss nachhaltig und bezahlbar sichergestellt werden.“

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