Bild vom Verwaltungsgebäude der Handwerkskammer Chemnitz
© Schmidtfoto-Chemnitz

Vollversammlung der Handwerkskammer Chemnitz verabschiedet Resolution

Stärkung statt Schwächung des Bildungs- und Karrieresystems des Handwerks

Die Vollversammlung der Handwerkskammer Chemnitz hat am Samstag, den 6. Juni, in Schöneck eine Resolution verabschiedet, die die Stärkung des handwerklichen Bildungs- und Karrieresystems fordert.

So erklären die gewählten Vertreter des regionalen Handwerks in der Resolution, dass

  • eine Modularisierung der Berufsausbildung als Alternative zu den bestehenden Bildungsstrukturen und -systemen abgelehnt wird,

  • das etablierte Prüfungssystem des Handwerks nicht durch anderweitige Zertifizierungssysteme ersetzt werden können,

  • für Personen unter 25 Jahren der Weg ins Handwerk nur über die duale Berufsausbildung erfolgen darf,

  • die Berufsorientierung flächendeckend mit verpflichtenden handwerklichen Bestandteilen über alle Schultypen hinweg zum Standard werden muss und

  • die Gleichwertigkeit von Meistertitel und akademischem Abschluss einer Hochschule durch eine Aufwertung des Deutschen Qualifikationsrahmens (DQR) gesetzlich zu verankern ist.

Handwerkskammer-Präsident Frank Wagner: „Dass die Karrieremöglichkeiten im Handwerk hervorragend sind, steht außer Frage. Außerdem bietet das Handwerk krisenfeste Jobperspektiven. Umso wichtiger ist es, dass für die allein schon aufgrund des demografischen Wandels dringend benötigen Fach- und Arbeitskräfte ein attraktives handwerkliches Bildungssystem zur Verfügung steht, das für den Interessierten eine Chance bietet und sich vor allem nicht hinter einer akademischen Ausbildung verstecken muss. Daher gilt: Das Bildungs- und Karrieresystem des Handwerks muss weiter ausgebaut und darf nicht durch eine Aufweichung der bestehenden Regeln geschwächt werden.“

Vollständiger Text der Resolution:

Die wirtschaftliche Lage in Deutschland ist angespannt und für das Handwerk im Kammerbezirk Chemnitz gilt dabei keine Ausnahme. Neben stetig steigenden Energie- und Materialkosten, der finanziell schwierigen Situation in den Sozialsystemen verbunden mit hohen Lohnnebenkosten sowie überbordender Bürokratie ist der Mangel an Fach- und Arbeitskräften ein Hauptgrund für die Lage. Gerade für Letzteres gilt – auch mit Blick auf die anderen genannten Herausforderungen und Probleme: Ohne gut ausgebildete Fach- und Arbeitskräfte kann kein Betrieb existieren. Beim Fach- und Arbeitskräftemangel besitzt das Handwerk mit dem System der dualen Berufsausbildung und den sich anschließenden weiterführenden Bildungsabschlüssen aber wiederum ein attraktives Karriereangebot, das gleichzeitig Chance ist. Die steigende Zahl neuer Lehrverträge und Meisterabschlüsse sind eindrucksvolle Belege. Umso wichtiger ist es, dass es bei den Karrierestrukturen des Handwerks keine Aufweichungen gibt und das bewährte System beibehalten beziehungsweise ausgebaut wird.

Daher fordert das Handwerk im Kammerbezirk Chemnitz:

  • Eine Modularisierung der Berufsausbildung als Alternative zu den bestehenden Bildungsstrukturen und -systemen wird abgelehnt. Der ganzheitliche Ansatz bei der Vermittlung der Fachkenntnisse, die sowohl in den Betrieben als auch in den beruflichen Schulzentren und den überbetrieblichen Ausbildungsstätten des Handwerks stattfindet, muss beibehalten werden.

  • Das etablierte Prüfungssystem des Handwerks kann nicht durch anderweitige Zertifizierungssysteme ersetzt werden.

  • Für Personen unter 25 Jahren kann der Weg ins Handwerk nur über die duale Berufsausbildung erfolgen. Nur Personen, die älter als 25 Jahre und längere Zeit arbeitslos sind, keinen qualifizierten Berufsabschluss besitzen und denen bisher kein Beschäftigungs-, Umschulungs- oder Ausbildungsangebot unterbreitet werden konnte, erhalten die Möglichkeit zur Teilnahme an teilqualifizierenden Maßnahmen.

  • Um Schulabgänger frühzeitig von einer Karriere im Handwerk zu überzeugen, muss die Berufsorientierung flächendeckend mit verpflichtenden handwerklichen Bestandteilen über alle Schultypen hinweg zum Standard werden. Gleichzeitig ist die Attraktivität außerschulischer Formate der Berufsorientierung zu steigern, beispielsweise durch die Einführung einer Prämie für Ferienpraktika im Handwerk in Sachsen – orientiert an vergleichbaren und vor allem etablierten sowie erfolgreichen Angeboten anderer Bundesländer.

Der Meistertitel im Handwerk ist ohne Frage gleichwertig mit einem akademischen Abschluss an einer Hochschule. Diese Gleichwertigkeit muss endlich durch eine Aufwertung des Deutschen Qualifikationsrahmens (DQR) gesetzlich verankert werden.